Neubau Health Center Njaba Kunda
Bislang verfügte das Gesundheitszentrum nicht über eine durchgehende Strom- und Wasserversorgung. Die Gebäude waren schmutzig und baufällig - von hygienischen Verhältnissen konnte keine Rede sein. Die neue (Modell-)Klinik wird eine durchgängige Wasser- und Stromversorgung haben. Alle Fussböden der Klinik werden gefliest – die Wände bis in zwei Meter Höhe. Die Türen sind aus Kunststoff, die Möbel aus widerstandsfähigem Material: die Betten werden gemauert und gefliest. Die Modellklinik Njaba Kunda soll zum Vorbild für alle staatlichen Gesundheitsstationen in Gambia werden.
Der erste Spatenstich für die Modellklinik erfolgte im Frühjahr 2011. Inzwischen (Juli 2011) sind die alten Gebäude abgerissen und die Rohbauten der neuen Gebäude fertiggestellt. Die Dächer sind gedeckt und die neue Solaranlage - eine Spende der Firma Naturstrom in Deutschland – ist aufgebaut und betriebsbereit. Zurzeit findet der Innenausbau der Gebäude statt.
Unser Projekt: das Gesundheitszentrum Njaba Kunda
Das staatliche Gesundheitszentrum Njaba Kunda befand sich in einem erbärmlichen Zustand: die Gebäude waren so heruntergekommen, dass sich die Menschen nur im größten Notfall hier behandeln lassen wollten. Die Decken kamen herunter, in den Fußböden klafften große Löcher. Die verrosteten Betten fielen fast auseinander. Es existierte kein Labor für einfache Untersuchungen. Die Entbindungsstation war so schmutzig, dass die Frauen aus Njaba Kunda und den umliegenden Dörfern ihre Kinder lieber zu Hause zur Welt brachten.
Bei einem Besuch 2010 trafen wir Isatou Jallow, eine resolute Krankenschwester, die gemeinsam mit einem Krankenpfleger und einer Hilfsschwester versuchte, den Betrieb der Gesundheitsstation aufrechtzuerhalten. Sie wusste kaum, wo ihr der Kopf stand: „Bis vor wenigen Wochen waren wir hier zu viert, aber mein Kollege hat ein besseres Angebot bekommen. Ich nehme es ihm nicht übel, wer will schon hier arbeiten?“ Die Glastür zu ihrem kleinen Büro ist kaputt. Einzelne Scherben hängen noch gefährlich im Türrahmen oder liegen auf dem Boden. „Es gibt Strom im Dorf und in der Klinik“, sagt Isatou Jallow, „allerdings nicht rund um die Uhr. Oft haben wir tagelang gar keinen Strom. Viele Kinder haben wir nachts schon im Schein von Kerzen, Petroleumlampen oder Taschenlampen auf die Welt gebracht. Die Arbeitsbedingungen hier sind wirklich sehr schwierig.“
Trotz dieser erschreckenden Zustände hingen die Dorfbewohner an ihrer Klinik. Bis vor zwei Jahren hatte das Dorf die Klinik in Eigenregie aufrechterhalten, dann gingen die letzten Ressourcen aus. Die Station untersteht seitdem der gambischen Regierung, die mit ihren beschränkten Mitteln versuchte, der Station erste Hilfe zu leisten: Löcher in den Wänden sind notdürftig verputzt, die Decke im Untersuchungsgebäude gestrichen.
Nach der Besichtigung aller etwa dreißig staatlichen ländlichen Gesundheitsstationen in Gambia schon 2009 stand für die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ schnell fest: für Njaba Kunda muss schnell eine Lösung gefunden werden. Abriss und Neubau nach dem Vorbild der „Buschklinik Hattingen“ in Jahaly. Dort betreibt die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ seit über 20 Jahren erfolgreich das Jahaly Health Center.
Und: hier im Gesundheitszentrum Njaba Kunda haben die beiden Vereinsgründer - die Krankenpfleger Matthias Ketteler und Frank Heuer – im April 1986 ihre ersten Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen in Gambia gemacht. Damals beschlossen sie, aufzuhören zu reden und zu handeln.
Der Plan
Eine Wartehalle soll es geben, mit gefliesten Bänken und überdacht, als Schutz gegen die Sonne und auch den Regen. Im Moment drängen sich wartende Patienten unter die schmale Veranda vor den Behandlungsräumen, auf dem Boden oder auf klapprigen Holzbänken. Die Behandlungsräume und eine Station werden mit robustem Mobiliar ausgestattet: die Betten werden gemauert und gefliest: unkaputtbar, wartungsarm und leicht sauber zu halten. Die neuen Türen sind aus Kunststoff, alle Räume werden bis auf zwei Meter Höhe gefliest und bekommen einen Bodenablauf in der Mitte. So können die Räume einfach und regelmäßig gesäubert werden.
Auch das Personal bekommt Wohnräume, so wie sie in Gambia üblich sind. Allerdings soll auch hier der Standard gehoben werden, damit die Mitarbeiter gerne in ihrem Gesundheitszentrum arbeiten. Mehrere Angestellte teilen sich ein kleines Häuschen, in dem jeder ein eigenes Zimmer bekommt – zusätzlich gibt es einen Gemeinschaftsraum und eine Dusche. Auch für den Nachtwächter entsteht ein einfaches kleines Haus am Eingang zum Gelände. Die „Bantaba“ - eine landestypische Rundhütte - dient als Versammlungsraum. In der neuen Personalküche sollen Herde aus Lehm gebaut werden: diese umweltfreundliche Alternative zu den in Gambia verbreiteten Kochstellen über offenem Feuer wird zurzeit in Jahaly als Pilotprojekt getestet. Alle Räume werden durch ein System von Zu- und Abluft-Öffnungen optimal belüftet. Außerdem soll so eine für kühlere Umgebung gesorgt werden.
Eine Solaranlage garantiert die Stromversorgung rund um die Uhr und den Betrieb der Wasserpumpen. Ein großer Wassertank versorgt das gesamte Klinikgelände, er stellt ausreichend Trinkwasser für Patienten und Personal zur Verfügung und dient zur Bewässerung von Grünflächen.
Ein funktionsfähiges Labor liefert die notwendigen Ergebnisse für eine Diagnose. Die Erreger einer Malaria müssen im Blut durch das Mikroskop gesehen, die Anzahl der Erreger bestimmt werden. Diese Informationen sind wichtig für die anschließende Behandlung. Gleiches gilt für viele andere Infektionskrankheiten.
Das oberste Ziel ist, alle Gebäude und Einrichtungsgegenstände der Klinik möglichst wartungsarm zu bauen, da die Instandhaltung von Gebäuden zu den größten Problemen in Gambia gehört. Wesentlicher Bestandteil des Projektes ist die völlige Kostenkontrolle durch die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ bis zur Übergabe der Modellklinik Njaba Kunda an die Regierung von Gambia.
Finanzierung
Abriss der vorhandenen Gebäude und Neubau der Klinik Njaba Kunda kosten ca. 375.000 Euro. Das Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit in Deutschland unterstützt das Projekt und finanziert die Baukosten zu 75%. Ein Viertel der Kosten muss die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ aus Spendengeldern aufbringen.
Unser Prinzip
„Hilfe zur Selbsthilfe“ ist Teil des Leitbildes der „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ und wird auch beim Bau der Modellklinik Njaba Kunda umgesetzt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten wird die lokale Bevölkerung eng in das Projekt eingebunden. Die Menschen sind arm, können aber trotzdem etwas zum Projekt beitragen: sie stellen kostenlos Arbeitskräfte und –zeit zur Verfügung und lokal verfügbare Materialien, zum Beispiel Kies oder Sand. Die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ hat mit der gambischen Regierung schriftlich vereinbart, dass die Dorfgemeinschaft nach Beendigung der Baumaßnahmen durch ein Komitee Einfluss auf bestimmte Bereiche hat. Die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ unterstützt das Komitee dabei. Die Schwerpunkte sind Klinikmanagement, Hygiene und die Pflege der Außenanlagen. Der deutsche Verein führt in dieser Zeit Schulungen mit dem Komitee durch und übernimmt die Verantwortung gemeinsam. Nach drei Jahren wird das Komitee diese Aufgaben eigenverantwortlich übernehmen und direkt mit der gambischen Regierung zusammenarbeiten.
Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung gilt in der Entwicklungshilfe heutzutage als die einzig sinnvolle Form, Projekte effektiver zu gestalten und gleichzeitig soziale Strukturen innerhalb der Dorfgemeinschaften zu stärken.
Bereits während der Bauphase erhalten die aus dem Dorf rekrutierten Reinigungsfrauen mehrwöchige Praktika in zwei Hotels in der Hauptstadtregion. Dort werden sie insbesondere in Hygiene und Reinigungsmethoden unterrichtet. Sie lernen dort die Aspekte von Sauberkeit und Hygiene kennen, die die Basis sind für einen ordnungsgemäßen Ablauf einer Gesundheitsstation. Die Frauen, die selbst in Lehmhütten leben, sollen lernen, Böden, Waschbecken und Toiletten zu reinigen und auch regelmäßig dort zu putzen, wo es vielleicht gar nicht schmutzig aussieht.
Der „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ ist es wichtig, nur einen ersten Impuls zu geben. Die neue Klinik wird gebaut, das Personal wird geschult, doch nach Fertigstellung wird die Klinik dem Gesundheitsministerium übergeben. Anders als die Buschklinik in Jahaly, deren Betrieb bis heute komplett aus Spenden finanziert wird, soll bei der Modellklinik Njaba Kunda der Gambische Staat in die Verantwortung genommen werden. Die Entwicklungshilfe der „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ will nicht die Aufgaben des gambischen Staates übernehmen.
Unser Zeitplan
Im Herbst 2011 sollen die neuen Gebäude der Modellklink in Njaba Kunda fertiggestellt sein. Schon im Juni beginnt in Gambia die Regenzeit. Dann steigt die Anzahl der Malariafälle enorm. Wir wollen es den Menschen in Njaba Kunda möglichst schnell ermöglichen, eine ausreichende Versorgung in einer sauberen, gut ausgestatteten Gesundheitsstation zu erhalten.
Die Bauaufsicht leitet ein deutscher Architekt, der seit 30 Jahren in Gambia lebt und arbeitet. Er weiß genau, auf was es bei einem solchen Bauprojekt in Gambia ankommt.
Unsere Vision
Der Neubau des Gesundheitszentrums Njaba Kunda soll nur der Anfang sein. Beeindruckt von der 20-jährigen Arbeit der Gesundheitsstation in Jahaly trat der damalige gambische Gesundheitsminister in 2008 an den Vereinsvorsitzenden Matthias Ketteler heran mit der Bitte zu helfen, die staatlichen ländlichen Gesundheitstationen auf den Standard der Klinik in Jahaly zu bringen.
Im Juni 2009 haben daher Mitglieder der Projekthilfe dreißig staatliche Gesundheitsstationen im ländlichen Bereich Gambias besucht. Die gambische Regierung hat zwar enorme Anstrengungen unternommen, der ländlichen Bevölkerung Zugang zu medizinischen Versorgungszentren zu ermöglichen: Patienten können die Gesundheitsstationen in einer maximalen Entfernung von jeweils ca. vierzig km erreichen. Auch stellt die gambische Regierung genügend ausgebildetes Personal und ausreichende Mengen an Medikamenten. Es mangelt allerdings in allen Stationen an einer Strom- und Wasserversorgung und somit an den notwendigen hygienischen Voraussetzungen.
Nach der Fertigstellung der Modellklinik Njaba Kunda plant die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ daher die Modernisierung aller dreißig ländlichen Gesundheitszentren in Gambia:
- Bau von 4-6 Kilowatt-Solaranlagen inkl. Batterien für eine 24-stündige Stromversorgung
- Versorgung mit Frischwasser durch eine Brunnenpumpe
- Erneuerung bzw. Installation von Toiletten und Handwaschbecken
- Ausbesserung defekter Bodenfliesen und Fliesen der Wände der Patientenbereiche auf eine Höhe von zwei Metern
- Durchführung von Kursen für die Hygienekräfte
Eine erfolgreiche Durchführung dieser wichtigen Hilfsmaßnahme würde dazu führen, dass Gambia als erstes Land Afrikas über eine kontinuierliche Strom- und Wasserversorgung flächendeckend in allen Gesundheitszentren verfügen würde. Dies hätte absoluten Modellcharakter und würde allen Gambianern den Zugang zu einer menschenwürdigen und erfolgversprechenden Behandlung im Krankheitsfall ermöglichen. Die Maßnahmen zur Verbesserung der hygienischen Voraussetzungen werden zudem zu einer erheblichen Reduzierung der Säuglings- und Kindersterblichkeit führen.
Unabdingbarer Bestandteil auch dieses Projektes ist die völlige Kostenkontrolle durch die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ bis zur Übergabe der modernisierten Gesundheitsstationen an die Regierung von Gambia. Keine staatliche Stelle hat Zugriff auf die verwendeten Gelder.
Die Regierung von Gambia hat den Vereinsvorsitzenden Matthias Ketteler 2009 zum Sonderbotschafter der Republik Gambia ernannt. Im Namen Gambias wirbt Matthias Ketteler seither um Spenden für den Ausbau der Gesundheitsversorgung des Landes.
Unsere Bitte
Um die Modellklink in Njaba Kunda zu bauen und um die anderen Gesundheitszentren in Gambia zu modernisieren, benötigen wir weitere Spenden. Ein Spendenformular finden Sie hier.
Hintergrund-Informationen Njaba Kunda
Der Ort liegt am Nordufer des Gambia-Flusses und – anders als Jahaly – näher an der dicht besiedelten und besser erschlossenen Küstenregion. Die Infrastruktur ist hier etwas besser. Über eine gut geteerte Landstraße ist Njaba Kunda mit den größeren Städten Farafenni und Barra verbunden. In Barra verbindet eine Fähre das ländliche Gambia mit der Region „Kombo“ rund um die Hauptstadt Banjul.
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