Projekthilfe Dritte Welt e.V.
Im Poth 26
45529 Hattingen
Presseerklärung
Hattingen, 18.02.2010
Einbauherd aus Lehm – Projekthilfe Dritte Welt e.V. startet Ökoprojekt in Gambia.
Die „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ aus Hattingen hat im Dorf Jahaly in Gambia einen ersten umweltfreundlichen Herd aus Lehm in Betrieb genommen. Mit einer Konstruktionszeichnung der GTZ („Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“) waren Vorstandsmitglied Matthias Ketteler, 48, aus Bochum und Ingenieur Jürgen Fröber, 65, aus Hattingen Mitte Januar nach Gambia gereist, um den Herd aufzubauen. Heute abend (Freitag, 19.2.) berichten die WDR Lokalzeiten Dortmund und Ruhr (19:30 Uhr) über das Projekt.
Um ein paar Äste Holz zu sammeln, muss Mariama,19, eine junge Mutter aus dem Dorf Jahaly in Gambia viele Kilometer zurücklegen – oder das Holz teuer auf dem Markt kaufen. Die Brennstoffkrise trifft Gambia mit voller Wucht.
Auf dem fruchtbaren Land wachsen Bananen und Reis, Gemüse, Erdnüsse und Süßkartoffeln. Vor allem in der Regenzeit ist es eine wunderbar grüne Landschaft. Nur Wald gibt es fast keinen mehr. Um für ihre Familie auf der traditionellen offenen Feuerstelle zu kochen, braucht Mariama jedes Jahr über eine Tonne Brennholz. Jürgen Fröber und Matthias Ketteler wollen Mariama und die anderen Frauen in Jahaly für einen geschlossenen Herd aus Lehm mit Schornstein und zwei Kochstellen begeistern. „Mit Herden aus heimischem Lehm “, sagt Fröber, „lassen sich schnelle Erfolge erzielen, da der Holzverbrauch eines Herdes 50 bis 70 % geringer ist als der Holzverbrauch beim traditionellen Kochen“. Außerdem sind Umweltbelastung (Rauchgase, Feinstaub) und Unfallgefahr gegenüber einer offenen Kochstelle deutlich geringer.
Matthias Ketteler, Vorstandsmitglied „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“: „Immer wieder müssen wir in unser Klinik in Jahaly Kinder mit schrecklichen Verbrennungen behandeln, wenn sie beim Spielen in die offenen Kochstellen gefallen sind.“ In ihrem Compound heizt Mariama die Feuerstellen an: drei Steine, in der Mitte offene Feuer, darauf die Töpfe mit Reis, Soßen, Fisch oder Fleisch. Es qualmt und stinkt. Mariama und die anderen 16 Frauen stehen den ganzen Tag im beißenden Rauch. „Jede Nacht brennen meine Augen vom Kochen und dem ganzen Qualm“ sagt sie. „Ich kann kaum schlafen. Diese Bedingungen sind wirklich unerträglich.“
Fröber und Ketteler haben eine Verschalung aus Holz für den Herd aus Lehm bauen lassen. Sie besorgen 150 Ziegel aus Lehm. Ein Zimmermann und ein Maurer der Projekthilfe bauen den Herd auf. Es dauert einen ganzen Tag. Danach muss die Lehmkonstruktion trocknen. Die Material- und Baukosten für einen Herd liegen unter 10 Euro. Denn die Frauen müssen überzeugt werden, in einen Herd zu investieren.
Fröbers erste Idee, ein Solarkocher, hatte den Praxis-Test mit Mariama und 360 anderen Frauen aus Jahaly und Umgebung nicht bestanden: die Sonne scheint selbst in der Trockenzeit nicht genug, der Parabolspiegel kann nur eine Kochstelle mit Energie versorgen und die Anschaffung erwies sich mit ca. 80€ für eine Familie als unbezahlbar.
In der Küche der Buschklinik der Projekthilfe demonstrieren die beiden Deutschen den Frauenkomitees des Ortes die Funktionsweise des Herdes. Die Frauen sind begeistert. „Dieser Herd ist eine gute Sache für uns“, sagen sie. „Wir können noch gar nicht glauben, dass bald in jedem Compound so ein Ofen stehen könnte.“ So erwartet Matthias Ketteler eine deutlich höhere Akzeptanz des neuen Herdes bei den Frauen. Nicht zuletzt durch den Preis: „Ich glaube“, sagt er, „dass sich ein Herd mit der Holzeinsparung von drei Monaten finanzieren lässt.“
In Uganda zum Beispiel hat sich die Brennstoffkrise schon deutlich entschärft, weil fast 90 Prozent der Bevölkerung mit energiesparenden Herden kochen – so die GTZ. Seit 2004 wurden dort bereits mehr als 210.000 Kochherde gebaut. Und jeder von ihnen spart jährlich 1,5 Tonnen Feuerholz ein.
Heute abend (Freitag, 19.2.) zeigt der WDR (Lokalzeit Dortmund und Lokalzeit Ruhr, jeweils 19:30 Uhr) einen Filmbeitrag über das Projekt. Matthias Ketteler wird live im Studio über seine Erlebnisse berichten.
für Rückfragen:
Matthias Ketteler 0172-280 45 03
Ulfert Engelkes 0176-431 531 12
Hintergrund: „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ Hattingen
Seit 1985 leistet der private gemeinnützige Verein „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“/Hattingen Entwicklungshilfe in Gambia/Westafrika und garantiert, dass alle Spenden vor Ort ankommen. Seit 1991 betreibt die „Projekthilfe Dritte Welt e. V.“ im Dorf Jahaly eine eigene Gesundheitsstation, das „Jahaly Health Center“. Über 400.000 Patienten (Stand: Ende 2009) sind dort inzwischen behandelt worden.
2004 hat der Journalist und Moderator Markus Lanz im Rahmen des RTL – Spendenmarathons in Jahaly einen Kindergarten für 240 Vorschulkinder eröffnet. Neben diesen beiden Projekten unterstützt die Hilfsorganisation noch vier Gartenprojekte, in denen Gemüse angepflanzt wird.
2008 hat die Regierung von Gambia das „Jahaly Health Center“ als Modellprojekt ausgezeichnet. Der Verwaltungsaufwand der „Projekthilfe Dritte Welt e.V.“ in Deutschland betrug 2007 lediglich 0,85% der Spendeneinnahmen. Es ist beabsichtigt, das DZI Spendensiegel in naher Zukunft zu beantragen.
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